Tiroli und das Rätsel des Kristalls
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»Das sieht gut aus«, Tiroli studiert emsig ein altes Büchlein und schaut immer wieder in den sternenklaren Nachthimmel.
»Was schaust du denn da so interessiert in den Himmel?«, Gabi Turbo Schneckenhaus kommt fein eingepackt mit Schal und Mütze bei der Tür herein.
»Äh, ich? Ich warte nur auf eine Sternschnuppe, weil… dann kann ich mir was wünschen.«
»Aha, das glaubst du ja selbst nicht«, Gabi Turbo hat schon eine Ahnung.
»Also gut, schau mal. Ich habe ein altes Kochbuch von Großtante Ilse gefunden und da gibt es ein ganz seltsames
Rezept: Schneesterne.«
»Seltsam?! Dass ich nicht lache. Das sind Weihnachtskekse. Die kennt doch jedes Kind!«, Fridolin Schlaumaus kommt mit Schwung zur Tür herein und singt auch gleich das passende Lied dazu: »Schnee-Schnee-Sterne, Schnee-Schnee-Sterne mag ich sehr…«
»Ja schon. Aber da steht eine geheimnisvolle Notiz dabei.« Tiroli holt seine Professor-Neugierglas-Lupe heraus. »Da würden wir jetzt Manni Buddelmeister Maulwurf brauchen, der gräbt doch gerne in Geheimnissen herum.«
»Geheimnisse? Graben? Bin schon da!«, Manni kommt wie gerufen zur heiteren Forscher-Truppe. »Ich sehe da nur ein gaaaaanz normales Rezept. Gibt es vielleicht einen leckeren Tiroli-Sternenklar-Punsch?«, Manni hätte richtig Lust darauf.
»Jetzt schaut doch mal. Da steht: zunehmender Mond, die Zahl 4, zwei komische Zeichen ( ), und das Wort Schnee«, erklärt Tiroli weiter.
»Was hat denn das mit dem Rezept zu tun? Dieses Gekritzel kann man übrigens kaum lesen. Deine Großtante hätte sich auch etwas mehr anstrengen können«, Gabi Turbo Schneckenhaus ist genervt.
»Keine Sorge. Das Rezept kenne ich auswendig: Mehl, Butter, Ei, Marillenmarmelade und fertig«, Manni ist in Höchstform.
»Ja schon, aber schau mal – hier. Da steht ein Wort, das kann ich nicht lesen«, da muss Gabi Turbo Tiroli recht geben.
»Kri-----ppe, nein. Kri----mi, nein. Kri-----ngel, nein auch nicht«, die Freunde rätseln heftig.
»Kri------stall?«, murfelt Manni Maulwurf vor sich hin.
»Jaaaaa! Kristall! Wie aufregend! Aber, was macht ein Kristall in einem Kochrezept?«, die Freunde schauen Tiroli verzweifelt an.
»Ein Kristall ist etwas ganz Besonderes und wahrscheinlich macht er aus den Keksen auch etwas Besonderes – vielleicht Zauberkekse, die es zu Weihnachten schneien lassen? Darum das Wort „Schnee“! Nur, wo bekommen wir so einen Kristall her?«, rätselt Tiroli vor sich hin.
»Es gibt doch diesen Kristallberg«, Manni Buddelmeister Maulwurf kennt sich da aus.
»Mein Onkel Ewald hat mir schon immer von den herrlichen Kristallen im Kristallberg erzählt. Für uns Maulwürfe ist das nämlich ganz leicht, die versteckten Kristalle zu finden. Nicht umsonst haben wir Zauberantennen auf unseren Schnupperdüsen. Einfach der Nase nach, geradeaus und dann immer links.«
»Der Kristall-l-l-l-b-b-b-berg?! Aber der wird doch von den gefürchteten Eismandln bewacht. Diese seltsamen Geschöpfe aus den Eishöhlen, mit langen weißen Bärten, Nasen wie Eiszapfen und kleinen Augen, die wie Schneekristalle leuchten. Da gehe ich nicht hin!«, schlottert Fridolin.
»Aber du willst doch auch, dass es zu Weihnachten schneit?«, erstaunt sich die Mannschaft.
»Ja, aber können wir da nicht den Nikolaus fragen, der kommt ja eh im Dezember. Wir sind einfach ganz brav und dann schneit es vielleicht von selbst…«
Tirolis Sinn für Abenteuer ist jedoch schon geweckt. »Dazu brauchen wir eine besondere Ausrüstung, keine Frage. Wir brauchen die felsenfesten Abenteuer-Höhlen-Berggipfel-Superhosen, die Hui-ist-die-warm-Jacke, unsere Klettermaxpatschen mit Winterreifen und Schneeketten-Aufsatz, das komplette Handschutzprogramm mit Wärmflaschen-Effekt und natürlich die Winterausgabe unserer Extrasicheren-100-Prozent-robust-und-bequem-Entdeckerhelme.
Abenteuer-Chef Manni führt die Truppe gelassen durch die winterliche und kristallklare Nacht: vorbei an reißenden Bächen, zugefrorenen Seen, in denen sich die Sterne spiegeln, hinein in einen tiefen Wald.
»Du, Manni, sag mal. Weißt du eigentlich, wohin wir gehen? Wir sind noch kein einziges Mal nach links gegangen«, Fridolin Schlaumaus kommen die ersten Zweifel.
»Ruhe dahinten! Kristalle kann man nur finden, wenn man seiner inneren Stimme folgt«, Manni Maulwurf muss sich konzentrieren.
Plötzlich bleibt er ruckartig stehen.
»Gehen wir jetzt nach links?«, Fridolin Schlaumaus hat sichtlich genug von der winterkalten Wanderung.
»Ja, jetzt ist es so weit. Wir atmen jetzt alle tief ein und…«
Plötzlich erhellt ein grelles Licht die Nacht, aus dem Nichts ertönt schreckliches Schleifen, ein unheimliches Schlaggeräusch und dazu noch schauriges Gelächter.
»Das müssen die Eismandln sein!«, die Freunde packt die nackte Angst.
»Bravo, Manni! Das hast du ja gut gemacht! Jetzt haben wir die Eismandln geweckt! Wir sind verloren…«, die Abenteuer verstecken sich zitternd hinten den weihnachtlichen Tannenbäumen.
»Wollt ihr auch mitspielen?«
»Bitte tut uns nichts. Es ist uns auch gleich, wenn es zu Weihnachten nicht schneit«, die Freunde flehen um Gnade.
»Wie? Schneien? Egal, kommt’s raus da und macht‘s mit beim Eisstockschießen.«
»Eisstock was?«
»Eisstockschießen! Das macht Spaß und macht lustige Geräusche!«, lachen die Leute vom Eisstockschießverein.
»Also doch keine gefürchteten Eismandln!« Die Abenteurer sind herzhaft erleichtert.
»Jetzt haben wir keinen Kristall gefunden, Tiroli. Schade, das wäre schön gewesen, Weihnachten im Schnee«, grübeln die Abenteurer.
»Zeig doch nochmals das Rezept«, Fridolin, die schlaue Maus, studiert wehmütig die seltsame Liste, als ihm ein Eselsohr bei der Buchseite auffällt. Vorsichtig klappt er die Seitenecke um und…
»Freunde! Das darf doch nicht wahr sein! Schaut mal, was da beim Wort Kristall steht: Zucker.«
Kristallzucker – die Freunde können sich vor Lachen kaum halten. Was für ein Abenteuer: zwar ohne Kristall, aber mit einem vollständigen Rezept und einem neuen Freizeitspaß namens Eisstockschießen. Und was es mit der Zahl vier auf sich hat, erfährst du in der Schlaumax-Box.
Geschichte von: Dieter Seelos / Illustrationen von: Paula Nikolussi
Tirolis Schlaumaxbox:
Sternschnuppen: Sind wunderschöne Lichtstreifen am dunklen Sternenzelt, die dadurch entstehen, dass Gesteinsteilchen aus dem Weltall in der Nähe der Erde verglühen. Sieht man eine, sollte man sich etwas wünschen – aber man darf es nicht verraten!
Rezept: So nennt man eine Liste von Zutaten, die man für ein Essen braucht – in diesem Fall für die Kekse namens Schneesterne
Schneesterne: Beliebte Weihnachtskekse, die wie Sterne aussehen und einfach wunderbar schmecken.
Zunehmender Mond: Manchmal ist der Mond wie eine schmale Sichel. Wird er Nacht für Nacht größer, nennt man das „zunehmender Mond“.
Kristall (Bergkristall): Edelstein, oft in sechseckiger Form und einer Spitze, sein Zuhause ist vor allem in den Bergen und Gebirgshöhlen; dem Bergkristall wird zudem eine heilende Wirkung nachgesagt.
Eismandln: Sagenfiguren aus dem Zillertal, seltsame Geschöpfe mit langen weißen Bärten, Nasen wie Eiszapfen und kleinen Augen aus Schneekristallen.
Eisstockschießen: ist ein Spiel auf Eis, bei dem man eine runde Scheibe mit Griff – dem Eisstock – möglichst nah an eine kleine Zielscheibe, die Daube, schiebt oder wirft. Sehr beliebt bei uns im Alpenraum.
Kristallzucker: Kristallzucker ist der Zucker, den wir zu Hause meistens im Zuckerstreuer haben. Das Wort „Kristall“ kommt daher, dass die Zuckerkörnchen auch unter dem Mikroskop wie winzige Kristalle aussehen – ein bisschen so wie kleine Edelsteine.
4. Dezember: Was hat Großtante Ilse da wohl notiert? An diesem Tag werden zum Namenstag von Barbara die Zweige von Obstbäumen geschnitten und ins Wasser gestellt, um zu Weihnachten zu blühen. Die komischen Zeichen ( ) waren Symbole für Sternzeichen. Und wahrscheinlich hat es da geschn